• Hamburg-Eimsbüttel, Julius-Vosseler-Strasse, 2016

    Nachbarschaftliches Wohnen in Hamburg-Eimsbüttel

    Neues Wohnquartier

    Die Lage in einem durch unterschiedliche Strukturen und Typologien sowie sehr viel Grün geprägten Stadtteil, die hohen Anforderungen an den Lärmschutz sowie der spannende Zuschnitt des länglichen, spitz zu laufenden Grundstücks verleihen dem Grundstück einen besonderen Reiz und ergeben einen interessanten Ausgangspunkt für die Gestaltung einer lebendigen Nachbarschaft.

    Die neue Nachbarschaft

    Nachbarschaftliches Wohnen ist eine Qualität, die in den Städten immer mehr an Bedeutung gewinnt und gefördert wird. Die Bewohner der Städte wünschen sich Räume, die gemeinsame Aktivitäten und ein Gemeinschaftsgefühl untereinander fördern, um so eine Alternative zur Anonymität großer Städte zu erhalten. Man möchte seine Nachbarn kennen und ihnen begegnen, aber gleichzeitig natürlich immer noch seine privaten Rückzugsräume nutzen.

    Leitmotiv des Entwurfes ist es, dieses Konzept der Nachbarschaft städtebaulich und architektonisch umzusetzen. Durch eine Verflechtung von Gassen, Grünräumen, Plätzen, Terrassen und Spielflächen zwischen den Gebäuden entstehen vielfältige Begegnungsmöglichkeiten.

    Städtebau

    Um dem Lärmschutz gerecht zu werden, wird das Grundstück umlaufend bebaut. Der Rand wird jedoch an zahlreichen Stellen unterbrochen, um bestehende Wege zu erhalten und ein offenes, durchlässiges Areal zu generieren. Die entstehenden Lücken sind Orientierungspunkte, Zugänge für Bewohner und Besucher in den Hof und kanalisierte Blickbeziehungen zwischen Quartier und Nachbarschaft.

    Die Setzung der beiden Gebäudereihen im Innenraum definiert abwechslungsreiche
    und vielfältig bespielbare Außenräume. Es entsteht ein Geflecht von Freiräumen, welches angenehme urbane Wohnqualitäten bietet und sich mit seinen Grünflächen und Wegverbindungen in den Kontext des Stadtteils einfügt.

    Die Trennung zwischen dem freifinanzierten und dem genossenschaftlichen Baufeld verläuft entlang einer klaren Kante. Durch ihre Volumetrie und die Verschränkung der Baumasse, die gleichartige Gestaltung der Typologie und die Einbettung in das Gesamtkonzept sind beide Teile dennoch ein zusammengehöriges Ganzes.

    Typologie

    Die vorwiegend dreigeschossige Bebauung geht rücksichtsvoll auf die direkte Nachbarschaft ein und nähert sich der gegenüberliegenden Beethoven-Siedlung an. Darüber hinaus bietet die geringe Gebäudehöhe die Möglichkeit, die Häuser sehr eng zu stellen und eine angemessene Dichte der Neubebauung zu erreichen. Einzelne viergeschossige Erhöhungen markieren von außen deutlich die Zugänge zum Quartier und gleichzeitig im Inneren die Plätze.

    Der siebengeschossige Hochpunkt bildet den Auftakt der Bebauung. Er dient einerseits als Erkennungsmerkmal für die neue Nachbarschaft, andererseits als Brückenschlag zu dem südlich angrenzenden Hochhaus-Ensemble.

    Freiräume

    Das Freiraumkonzept basiert auf einer Verflechtung von engen Gassen und offenen Plätzen. Die parallel zu den Riegeln verlaufenden Gassen werden von privaten Freiräumen eingefasst. In ihrer Mitte befinden sich öffentliche, nachbarschaftliche Terrassen, Blumenbeete, Grünflächen und Gärten. Diese Räume erweitern den Wohnraum der Nachbarn in den Außenraum und sind Orte der Begegnung. Hier spielen sich alltägliche Momente der Kommunikation, zufällige Begegnungen und geplante nachbarschaftliche Aktivitäten ab. Sie bieten Raum zur Aneignung durch die Nachbarn und zur Entfaltung eines nachbarschaftlichen Wohnumfelds. Durch die umfassende Begrünung der Gassen verschränken sich Wohnen und Grün ineinander, zudem schafft sie eine angemessene Distanz zwischen den gegenüberliegenden Wohnungen.

    Aufgelockert wird die bauliche Struktur durch fünf Aufweitungen des Freiraums. Diese Plätze sind die Herzstücke des Quartiers mit unterschiedlichem Charakter. Zum einen gibt es Grünflächen, Kinderspielplätze und Entspannungsräume, zum anderen zwei Plätze mit urbanerem Charakter, die Freiflächen für den Nachbarschaftstreff sowie die Bäckerei bieten.

    Die drei Hauptverbindungen der Julius-Vosseler-Straße und des Hofs führen jeweils direkt auf einen der Plätze. Diese Adressbildung durch öffentlichen Raum schafft Offenheit und fördert die Zugänglichkeit des Quartiers nicht nur für die Bewohner, sondern auch die angrenzende Nachbarschaft.

    Das Dreieck an der Südspitze des Grundstücks am Fuße des Hochpunkts wird größtenteils als Außenfläche der Kindertagesstätte genutzt. Darüber hinaus findet hier ein Anschluss der quartierseigenen Erschließung an das öffentliche Wegenetz statt.

    ©03Arch.

    Ort Hamburg-Eimsbüttel
    Jahr 2016
    Auszeichnung -
    Mit 03 ARCH, München
    Typ Realisierungswettbewerb